In die bösen Augen

Über die dichterischen Qualitäten Gerhart Hauptmanns wird man kaum streiten können, will ich hier auch nicht. Ich mag seine Texte, besonders solche wie Vor Sonnenaufgang, sein soziales Drama, das ich 1991 erstmals gelesen habe, davor schon Die Weber. Dass Kaiser Wilhelm II. den „sozialdemokratischen Dichter“ nicht schätzte, war und ist mir sympathisch. Auf meiner Liste habe ich auch den Besuch des Hauptmann-Hauses in Hiddensee. Unbedingt. Dass er, wie es in einem Artikel der Zeit so vielsagend heißt, Hitler tief in die Augen geblickt hat, kommt zuweilen allerdings ein wenig kurz. Die Erinnerungen von Judith Kerr liefern ein etwas genaueres Bild von Gerhard Hauptmann, was die Begeisterung für die Nazis betrifft. Wie diese Woche auf NDR-Kultur zu hören, war die 93-jährige im Interview mit Michael Köhler erstaunt, wie abschätzig sich Hauptmann über ihren Vater geäußert hat.

Sie selbst wusste aus der Erinnerung, dass sie Alfred Kerr gefragt hatte, ob er Hauptmann  verzeihen würde, wenn er seinen Fehler eingestehen würde. „Nein, nie“, habe der Vater dann geantwortet. Dabei hatten sie „Brüderschaft getrunken“ und den Kindern Champagner gegeben, damit die sich daran erinnern. Hauptmann sei dann „ganz zu Hitler rübergegangen“, erinnerte sich Judith Kerr. Hauptmann hatte Alfred Kerr Ende 1933 als „schlesischen Ghettospießer“ bezeichnet, als Mann „ohne Europabildung“, als einen „Ghettojuden mit journalistischem Leerlauf“. Judith Kerr zeigte sich im Interview entsetzt, dass Hauptmann so über ihren  Vater sprach: „Das wusste ich nicht.“ Besonders erstaunt war sie, dass die Zitate schon aus dem Jahr der Machtergreifung stammen. Dass es den Willen gab, „dazuzugehören“, war bekannt. Hauptmann wollte NSDAP-Mitglied sein, was aber offensichtlich abgelehnt wurde. Sozialdemokratischer Dichter?

Dass Hauptmann sich öffentlich nicht zum Nationalsozialismus geäußert hat, wie es beispielsweise das Lemo-Projekt darstellt, mag richtig sein, im „engsten Kreis“ war das jedoch offenbar anders, was wohl auch die unzähligen Anmerkungen in Mein Kampf deutlich machen

Kerr war sicherlich der wichtigste Theaterkritiker der Weimarer Republik. Seine Tochter Judith, die seit über 80 Jahren in England lebt, wurde durch den Roman Als Hitler das rosa Kaninchen stahl bekannt. Alfred Kerr, geboren 1867, hatte seine Theaterkolumne bis 1933 täglich im Berliner Tageblatt geschrieben. In jenem Jahr floh er mit der Familie nach England. Für seine Arbeit interessierte sich kaum noch jemand, 1948 nahm er sich das Leben.

Gerhart Hauptmann lebte von 1862 bis 1946.

Der gute Ton

Bloggen gehört bei Journalisten bekanntlich zum guten Ton – auch wenn ich schon wieder Stimmen höre, dass Bloggen gar nicht mehr angesagt sei. Sowas ist mir egal. Ich steige  wieder ein bisschen ein und schaue, was daraus wird. Selbstverständlich soll es auch hier um Medien, Musik und mehr gehen – um all die Dinge, die ich interessant finde. Oder schön.

Wer hier folgt, wird also meine persönliche Sichtweise auf den Journalismus kennenlernen, vielleicht die eine oder andere Musik-Rezension lesen (wobei es nicht um Neuerscheinungen gehen muss) oder lesen, was ich gerade lese.  Auf das „Mehr“ bin ich schon selbst ganz gespannt. Viel Spaß dabei und gute Unterhaltung.