Blauer Himmel, weiße Dörfer

Ronda Conil Jerez de FronteraDieser wunderbar blaue Himmel, dieses Himmelblau, das dich nach Worten suchen lässt. Dunkel? Nein. Intensiv? Ja, aber auf seine Weise, nicht blass, bestimmt nicht, ein helles Unendlichblau – ja das ist es. Andalusien lässt sich vielleicht mit dem Himmel beschreiben, mit dem flimmerndem Meer, mit weißen Dörfern, den teils kargen, dann aber auch grünen Landschaften in Richtung Málaga. Es war gut, nicht nur am Pool zu liegen, auch ein wenig von Land und Leuten zu sehen. So wenig allerdings, dass wir wiederkommen werden. Irgendwann.

Jerez ist für englische und andere Zungen nur schwer zu bilden, eher noch, wenn man von diesem köstlichen Gesöff trinkt. Dann klingt es irgendwie wie Sherry. Okay – das ist ein Thekenwitz: Nüchtern betrachtet ist Sherish auf arabisch Stadt, Sherry ist die Abwandlung davon. Jerez de la Frontera – eine typische andalusische Stadt mit einer Festung, in der und um die gern und immer wieder gekämpft wurde. Spätestens seitdem die Mauren kamen und gegen die Christen kämpften – wie so oft. Uns beeindrucken die römischen Einflüsse, die ausgegrabenen Thermen zum Beispiel. Aber auch (weniger römisch) die historische Apotheke, die mich an eine kleinere Ausführung in der Karthause von Valdemossa auf Mallorca erinnert hat, und die Camera Obscura im Alcázar, mit der – in dieser Form schon von Leonardo da Vinci genutzt – in der Dark Chamber hochauflösende Live-Bilder von Jerez zu sehen sind.

In Cádiz liegt ein alter Dreimaster abgetakelt vor Anker. Ziemlich beeindruckend. Und das Standbild  von Blas de Lezo (1689 bbis 1741), der im Kampf (wohl meist gegen die Engländer) Bein, linkes Auge und Arm verlor. Wenige Meter weiter findet sich die Kirche des Heiligen Kreuzes aus dem 13. Jahrhundert – auf den Stufen lässt sich gut Eis essen. Und es lassen sich die Wachleute beobachten, die aufpassen, dass niemand die gerade aufgestellten Monumental-Plastiken von Henry Moore besteigt. Ein ziemlich hoffnungsloses Unterfangen, Touristen sind schnell.

Den Makaken auf dem Affenfelsen in Gibraltar wäre das ohnehin egal. Die sind sofort meine Freunde – scheren sich um nichts und niemanden. Solange noch Affen hier leben, heißt es, bleibt der Felsen britisch. Wie auch immer: Die Zollformalitäten sind in Nullkommanichts erledigt, nicht einmal die Pässe wollten die Engländer sehen – de Lezo (davon bin ich überzeugt) würde staunen. Per Bus geht es über das Rollfeld, das gerade nicht für Flieger genutzt wird, in die recht schmucklose Stadt, zu Fuß weiter zum Cable-Car, das uns in wenigen Minuten auf den Felsen bringt. Die Affen sind dann sofort da und warten auf Glitzerzeug, das sie sich schnappen können. Einer hat eine Chipstüte aufgerissen und frisst den Inhalt seelenruhig. Gefällt mir. Die Neandertaler, die hier irgendwo aufgestellt worden sein sollen, finden wir nicht, brauchen wir auch nicht, dafür die Tropfsteinhöhle (in teils kitschiges Licht getaucht) und die Felsengänge vergangener Kriege. Bergab geht es zu Fuß, was zuletzt (kurz vor dem Ort) durch Treppe und Fahrstuhl erleichtert wird.

Höhenunterschiede sind auch in Ronda auszumachen, gewaltige sogar. Die Stadt (wieder weiß und maurisch) wurde auf einem Hochplateau errichtet. Als die neue Brücke Ende des 18. Jahrhunderts fertig war, krönte der Architekt sein in 42 Jahren entstandenes Lebenswerk, indem er sich von derselben in die Tiefe stürzte. Sein Name: Antonio Martin Aldehuela. Interessant: Für Prosper Mérimée war der Ort Schauplatz seiner Erzählung Carmen. Rilke war hier, kam in der Dachkammer eines Hotels unter und verfasste – na logisch – Gedichte. 1912 und 1913 war das. Und dann Ernest Hemingway, dem man im Fotogeschäft von Antonio Ruiz Munoz begegnet. Hemingway war hemmungslos begeistert vom Stierkampf, hatte einen Stierkämpfer zum Freund, was immer wieder abgelichtet wurde. Ohnehin: die grausame Corrida wird in einem Museum hochgehalten. Nicht mein Ding, aber hier wohl eine wichtige Tradition.

Bleibt Conil, der Ort, in dem wir selbst untergebracht waren. Früher ein Fischerort und noch immer durch den Thunfischfang geprägt. Laut erzählen alte Männer im örtlichen Treffpunkt von alten Taten. Und an den Wänden hängen Fotos, die ein Amerikaner aufgenommen hat, der sich in den Ort verliebte und blieb. Touristenführer Abel erzählt mir, der Mann sei vor einigen Jahren in Madrid verstorben, werde aber immer noch sehr verehrt. Über vier Monate wird der Thunfisch alljährlich gefangen, immer noch und (laut Antrag auf Erhöhung der Fangquote) immer mehr. Dabei seien auch die Japaner ganz heiß auf die Köstlichkeit von der Costa de la Luz, dürften sie hier aber nicht fangen. Immerhin tauchen die Fänger ab, wenn der Fisch in den Netzen hängt und markieren die Tiere, die sie haben und dann gleich vor Ort verarbeiten wollen. Ich denke nur: Es ist gut, kein Thunfisch zu sein.

 

Ein Spaziergang

Nicht zu verwechseln ist die “Nacht der Geschichte” in Petershagen am 10. September mit dem Tag des offenen Denkmals am 11. September. Beteiligt sind bei erstgenannter Veranstaltung das altehrwürdige Schloss, die Synagoge, das Amtsstubenhaus, die evangelische und die katholische Kirche und das Alte Amtsgericht. Die Nacht der Geschichte führt die Besucher an historische Stätten im “Zentralort” Petershagen. Diese Stätten sind fußläufig miteinander verbunden, geboten werden Musik, Lesungen und Theater. Bei Vorbereitung des Beitrags fürs Mindener Tageblatt sind noch einige Fotos “abgefallen”, die es aus Platzgründen nicht ins Blatt geschafft haben. Hier sind sie.

Wer sich für die Veranstaltung interessiert: Beginn am 10. September ist um 19 Uhr im Schloss.

Nestroy gegen Hasskommentare

Gegen Hasskommentare in den (a-)sozialen Internet-Medien helfen zuweilen Erkenntnisse, die der beiläufige Betrachter als wenig aktuell bewerten könnte. Hilfreich sind da etwa Zitate des österreichischen Dichters und Dramatikers Johann Nestroy (1801 bis 1862):

Anonymität ist die Briefmarke der Lüge.

Und selbstverständlich auch:

Je dümmer als der Mensch ist, desto mehr Wohlgefallen hat er an sich selbst.


Nestroy zum Vergnügen, “Die Welt steht auf kein’ Fall mehr lang”, herausgegeben von Jürgen Hein, Reclam, Stuttgart 1995

Transparenz beginnt oben

Ich ertappe mich dabei, dass ich in den vergangenen Wochen immer häufiger Curved.de besuche, eine junge Website, die mich über Tech-Themen informiert. Das ganze ist gut aufgemacht, natürlich Endgeräte-kompatibel und sehr aktuell – also ganz klar “mobile first”. Das Problem dürfte lediglich sein, dass der allgemeine Besucher sich kaum die “am unteren Ende der Seite” (früher: “das Kleingedruckte”) erwähnten Spielregeln anschauen wird. Wörtlich heißt es aus der Redaktion:

Wir wollen über die menschliche Seite der mobilen Revolution berichten. Über das, was die Gadgets aus unserem Leben machen. Wie sie unseren Alltag erleichtern. Wie sie zum Treiber des gesellschaftlichen Fortschritts werden.

Nun gut, das klingt vernünftig. So wie:

Uns interessiert, ob das iPhone 5s oder das 5c Dein digitales Leben besser macht, ob Du nicht mehr ohne Phablet leben kannst und mit welchem Smartphone Du die besten Selfies für Instagram schießt.

Offen geht die Redaktion an dieser Stelle aber auch damit um, dass sie nicht unabhängig ist. Curved ist nämlich eine Initiative der E-Plus-Gruppe. Immerhin entscheide die Redaktion selbstständig, mit welchen Themen und Schwerpunktsetzungen sie arbeite. E-Plus, so heißt es hier, nehme keinen Einfluss auf redaktionelle Inhalte und Bewertungen von Produkten. Eine hohe journalistische Qualität stehe dabei stets im Mittelpunkt, nur so könne Curved das Vertrauen der Leser gewinnen und wirkliche Relevanz erzeugen.

Diese Ehrlichkeit finde ich gut, auch wenn sie für die Leser erst einmal schwer zu durchschauen ist. Hier ist es in der Tat die Kompetenz der Redaktion, die die Unabhängigkeit unter Beweis stellen muss. Nach meinem Eindruck gelingt das bislang, allerdings sollte die Öffentlichkeit nicht erst am Ende der Seite und mit einem Untertitel erstmals über den eigentlichen Auftraggeber informiert werden. Mit (laut Wikipedia und nach eigenen Angaben) 47 Millionen Kunden sei die Gruppe der größte Mobilfunkanbieter Deutschlands. Transparenz beginnt oben.

Ansonsten: Viel Glück mit Curved.de!

Der Herr G. wehrt sich

Herbert_GegendarstellungDas hier nur der Vollständigkeit halber: Heute erscheint  auf dem Titel der Bild-Zeitung eine Gegendarstellung, erwirkt durch Herbert Grönemeyers Anwalt Dr. Christian Schertz. Wesentlicher Inhalt: “Meine Partnerin ist nicht 28. Sie ist mehrere Jahre älter.” Die Redaktion dann frech: “Herbert Grönemeyer (60) hat recht. Vor Gericht hat er angegeben, seine Partnerin sei acht Jahre älter als von Bild behauptet.” Welch ein Theater!

Ich bin ja der Meinung, dass G. (und somit auch sein Anwalt) so eine Art der Stellungnahme gar nicht nötig haben – aber wie heißt es so schön: Recht muss Recht bleiben. Nun ist es aber auch gut.

Hierzu auch mein Blog-Eintrag: Lesen, wenn es laut ist