Gelesen, Gehört, Gesehen

Kategorie: Gehört

Das Kleine im Großen – bis zuletzt

Lunde zeigt, wie falsch der Gedanke ist, als Individuum nichts machen zu können.

Ich fand Die Geschichte der Bienen sehr gut und dann auch Die Geschichte des Wassers, wobei mit hier als Titel „Blau“ noch besser gefallen hätte, und dachte schon mit leichter Befürchtung: nun ist es auserzählt. Ich las per Zufall (ich weiß nicht mehr wo) eine Rezension zum dritten Teil des Klimaquartetts und erfuhr von einer Pferdegeschichte. Da ich Pferde zwar interessant und schön finde, mehr aber auch nicht, wollte ich die Lektüre hintenanstellen. Dann aber fand ich über den Hörverlag die Besetzungsliste des Hörbuchs – und lies mir die Lunde vorlesen. Zum Glück.

Weiterlesen

Die Chiffre der Wendezeit

Dass keiner zum Nazi geboren ist, ist klar, aber dass die Erkenntnis möglich ist, dass Pegida keine Lösung ist, auf jeden Fall auch.

Auf einen solchen Roman habe ich lange gewartet: Die rechtschaffenen Mörder von Ingo Schulze ist die Chiffre der Wendezeit. Gehört hatte ich den neuen Schulze bei „Am Morgen vorgelesen“ im NDR, die Lesung von Sylvester Groth und Victoria Trauttmannsdorf habe ich mir dann noch einmal „in Ruhe“ gegönnt. Klasse.

Weiterlesen

Für immer Herbert – und ich

Olgas Liebe zu einem, der vor sich selbst flüchtet und sein  Heil in unbekannten Welten sucht, ist nur die äußere Handlung.

Es kann durchaus sein, dass ich schon einmal über Herbert gelesen habe. Vielleicht 2008 in einem Spiegel-Artikel, in dem es um eine „Harakiri-Expedition“ in die Antarktis ging. Ein Thema, das mich grundsätzlich interessiert, befeuert spätestens durch Christoph Ransmayrs  Die Schrecken des Eises und der Finsternis. Und auch zu Herbert gibt es zahlreiche Artikel, zu jenem Herbert also, der im echten Leben Herbert Schröder-Stranz hieß und seit 1912 als verschollen gilt. Jetzt setzt ihm Bernhard Schlink eine Art Denkmal. Im Roman Olga, der mir – ungekürzt und ausdruckstark gelesen von Burkhart Klaußner – sehr gut gefallen hat.

Weiterlesen

Hermann und Dorothea: Alte Dichtung in neuen Köpfen

Wer sich in den Text hineinhört (oder hineinliest), erlebt ein berauschendes Stück Literatur, das in seiner Form viel über die Ästhetik der Zeit sagt, in dem es entstanden ist.

Hermann und Dorothea ist für Johann Wolfgang Goethe 1797 der dringend notwendige Erfolg. Wilhelm Meister empfanden manche als langweilig (Charlotte Stein zum Beispiel), außerdem will der Geheimrat das Geld mehren – obwohl er als Beamter schon über ein gutes Einkommen verfügt. Vielleicht hat Goethe aber schon das Landgut Oberroßla im Blick, auf dem er mit Christiane Vulpius leben will – durchaus möglich. Seinem Verleger Vieweg reicht er einen Umschlag, in dem die leicht ungehörige Honorarforderung von tausend Talern in Gold steckt. Und der greift tatsächlich zu – und der Versgesang wird das bis dato populärste Stück Goethes nach Die Leiden des jungen Werther.

Weiterlesen

Nur noch Staub und Wüste

Ich hätte es allerdings noch etwas schöner gefunden, wenn die Übersetzung des Titels weniger marktgerecht eins zu eins „Blau“ gewesen wäre. Trotzdem: ein klasse Buch.

Ich hätte noch ewig weiterhören können. Aber dann – plötzlich nach acht Stunden und zehn Minuten – war Die Geschichte des Wassers vorbei. Den Text von Maja Lunde haben Christiane Blumhoff und Shenja Lacher abwechselnd gelesen. Sehr atmosphärisch, sehr nahegehend, was sowohl am Buch als auch an den Vorlesern liegt.

Weiterlesen

Das gelogene Leben der Mata Hari

Ich hatte Die Spionin schon an einen lieben Freund verschenkt, weil ich von der Geschichte überzeugt war. Das muss Coelho können, jener Autor, vor dem ich mehr als einmal gewarnt wurde: zu esotherisch, zu viel Bla Bla.

Zweifelsohne ein gutes, ein sehr gutes Buch. Paulo Coelhos Beschreibung des Lebens der Mata Hari  in Die Spionin macht den Mythos hundert Jahre später zwar nicht kaputt, erhellt aber die mögliche Innenwelt dieser beeindruckenden Persönlichkeit.

Weiterlesen

Vom Heiligen zum (fast) normalen Menschen

Von Goethe erfährt man viel, aber auch vom intellektuellen Leben seiner Zeit, einer Zeit, in der Frauen viel geweint haben, überhaupt, so heißt es bei Safranski, sei viel geweint worden.

Herder hockte auf dem Sockel. Ganz klar – für mich war er fast so etwas wie ein Nationalheiliger, wobei hinzukommt, dass eine Schule in meiner Heimatstadt nach ihm benannt wurde. Nachdem ich aber Goethe – Kunstwerk des Lebens von Rüdiger Safranski gehört und gelesen hatte, war klar: Auch Johann Gottfried Herder (1744 bis 1803) war nur ein Mensch, und zwar nicht nur ein angenehmer. Er konnte kaum zeigen, dass der wenig Jüngere etwas gut gemacht hatte, konnte nicht loben, hatte diesen Skeptizismus, den ich im Umgang mit Freunden für übertrieben halte, oder für eine unangemessene Prüfung.

Weiterlesen

© 2022 reporter 4u

Theme von Anders NorénHoch ↑