Leben mit Literatur

Schlagwort: Familiengeschichte (Seite 1 von 3)

Werner Herzogs Erinnerungen – ein Buch wie hundert Filme

Sein Drehbuch ist das Leben, das Leben,  wie es ihm geschieht. Und das dann ein schlüssiges Typbild ergibt.

Viele Geschichten kenne ich, weil mich Werner Herzog grundsätzlich interessiert. Fitzcarraldo fand ich sehr beeindruckend: Ein Schiff wird im Dschungel von Fluss zu Fluss über den Berg getragen. Getragen wird der Film natürlich von Klaus Kinski, der in fünf Herzog-Kinski-Produktionen vielleicht seine größte Leistung abliefert, was möglicherweise mit den Strapazen aus seiner (und immer wieder seiner) Sicht zusammenhing, die er selbst erleiden musste, viel mehr aber noch diejenigen, die mit ihm zusammengearbeitet haben oder das mussten. Herzog selbst ist immer wieder Ziel. Und eben in Fitzcarraldo Produktionschef Walter Saxer, der für den „Schweinefraß“ verantwortlich war. Am Ende boten die Indianer, mit denen Herzog drehte, die Ermordung des Tyrannen an.

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Die Welt steht bekanntlich nicht mehr lang

So zauberhaft das Stück daherkommt, so ganz ohne Zauber ist die Wirklichkeit. Mit dem Witz einer Komödie wird das alles erträglicher.

Gerade habe ich wieder ein wunderbares Beispiel dafür entdeckt, wie gut Johann Nestroy in unsere Zeit passt: Das Landestheater Linz hatte Der böse Geist Lumpazivagabundus aufgeführt, irgendeiner hatte es irgendwo ins Netz gestellt – und ich habe Tränen gelacht. Eine schöne Aufführung mit trashig-kitschigen Geistdarstellungen, ein wenig moderner Polizei, schrägem Gesang. Also: Das alles ist Anlass genug, sich die wunderbare Zauberposse mit Gesang in drei Akten nochmal als Reclam-Ausgabe zu Gemüte zu führen. Es lohnt sich.

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Die Chiffre der Wendezeit

Dass keiner zum Nazi geboren ist, ist klar, aber dass die Erkenntnis möglich ist, dass Pegida keine Lösung ist, auf jeden Fall auch.

Auf einen solchen Roman habe ich lange gewartet: Die rechtschaffenen Mörder von Ingo Schulze ist die Chiffre der Wendezeit. Gehört hatte ich den neuen Schulze bei „Am Morgen vorgelesen“ im NDR, die Lesung von Sylvester Groth und Victoria Trauttmannsdorf habe ich mir dann noch einmal „in Ruhe“ gegönnt. Klasse.

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Kreativ Lügen mit Münchhausen

Dass Hieronymus als „Lügenbaron“ tituliert wurde, dürfte auch auf die Anwältin seiner zweiten Ehefrau zurückzuführen sein.

Sich am eigenen Schopf aus dem Schlamassel ziehen, raus aus dem trüben Teich, weg vom Sumpf. Das dürfte ein vielfach herbeigeflehter Wunsch sein. Mit Wünschen aber ist das bekanntlich so eine Sache: Sie gehen nicht mit hundertprozentiger Sicherheit in Erfüllung. Und wenn man es unbedingt wünscht (vielleicht aus der Erzählperspektive des eigenen Lebens) legen manche sich die Wahrheit zurecht. Wobei der gute alte Münchhausen viel kreativer war als so manch platter Politiker heute – und da muss ich nicht einmal über den Teich blicken.

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Marsch verschluckt Mensch

In Kyas Welt ist alles aus einem Guss, eigentlich dürfte diese Idylle doch niemand stören – aber eigentlich ist nicht das Leben und auch kein Roman.

Eine verkorkste Kindheit kann dir das ganze Leben versauen. Klar – sie ist zuweilen die Erklärung für alles Schlechte, für alles, was da kommt, vor allem, wenn es nicht nach Recht und Gesetz geht. Der Mensch mag einfache Muster – und die werden etwa für das Marschmädchen, das um diese Muster weiß, zum lebensbedrohlichen Verhängnis. Delia Owens hat die Geschichte von Catherine Danielle Clark, genannt Kya, in ihrem Debutroman Der Gesang der Flusskrebse aufgeschrieben. Das Buch spielt vor allem in den fünfziger und sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Und es spielt in der Marsch nahe der fiktiven Stadt Barkley Cove in North Carolina.

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Abseits in der Welt der Abseitigen

Was Helfer weiß, weiß sie vor allem durch ihre Tante Käthe.

Maria und Josef Moosbrugger sind ein schönes Paar. Doch Schönheit ist äußerlich, sie kann die Wirklichkeit überblenden. Und manchen erscheint sie fremdartig, vielleicht macht sie ihnen auch Angst. Die Moosbruggers leben mit ihren vier Kindern am Rand eines österreichischen Bergdorfs und damit abseits in der Welt der Abseitigen. Monika Helfer erzählt die eigene Geschichte in ihrem Roman Die Bagage.

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Für immer Herbert – und ich

Olgas Liebe zu einem, der vor sich selbst flüchtet und sein  Heil in unbekannten Welten sucht, ist nur die äußere Handlung.

Es kann durchaus sein, dass ich schon einmal über Herbert gelesen habe. Vielleicht 2008 in einem Spiegel-Artikel, in dem es um eine „Harakiri-Expedition“ in die Antarktis ging. Ein Thema, das mich grundsätzlich interessiert, befeuert spätestens durch Christoph Ransmayrs  Die Schrecken des Eises und der Finsternis. Und auch zu Herbert gibt es zahlreiche Artikel, zu jenem Herbert also, der im echten Leben Herbert Schröder-Stranz hieß und seit 1912 als verschollen gilt. Jetzt setzt ihm Bernhard Schlink eine Art Denkmal. Im Roman Olga, der mir – ungekürzt und ausdruckstark gelesen von Burkhart Klaußner – sehr gut gefallen hat.

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Eine der schönsten Liebesgeschichten, die je aufgeschrieben wurden

Da erzählt einer ohne jedes Abgehoben-Sein über lebenslange Liebe, über Sexualität im Alter, über Zweisamkeiten, die sich verändern, sich anpassen, sich abstoßen, sich verbinden.

Amor hat Florentino Ariza mitten ins Herz getroffen. Und die entfachte Liebe ist nicht flüchtig, sie währt ein ganzes Leben lang. Die Liebe in den Zeiten der Cholera von Gabriel José García Márquez ist eine der schönsten Liebesgeschichten, die es in der Literatur gibt. Und mir gefällt, dass der Roman phantastisch endet.

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Die glücklosen Leben irgendwo in Österreich

Das wirklich Leben kann nur enttäuschen, weshalb Maren beginnt, ihren eigenen Lebensroman zu spinnen.

Interessant wird ein Leben ja erst dann, wenn es die gerade Bahn verlässt und die erwarteten Muster. Oder, wie es Eva Schmidt in Die untalentierte Lügnerin vermittelt, gar nicht erst in diese Muster passen will. Dass es Konflikte gibt (nicht nur mit sich selbst), ist logisch, hier insbesondere mit der Mutter und ihren durchaus überkommenen und verlogenen Wertvorstellungen.

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Sind wir nicht alle ein bisschen Ove?

  Wenn Oves Blick verschränkt ist, wenn er verbohrt ist, hilft ihm und uns der Erzähler auf die Sprünge. 

Die Beckmesser sind überall. Sie spähen Nachbarn aus, schreiben Listen und rufen die Polizei, wenn es mal wieder zu laut wird. Fredrik Backman kennt solche Typen auch – und hat einen von ihnen ganz besonders in den Blick genommen.  Er hat über Ove gebloggt und daraus seinen Debut-Roman gebastelt. Ein Mann namens Ove ist zwar keine Offenbarung, aber durchaus lesenswert.

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