Gelesen, Gehört, Gesehen

Schlagwort: Kolonialgeschichte

Für immer Herbert – und ich

Olgas Liebe zu einem, der vor sich selbst flüchtet und sein  Heil in unbekannten Welten sucht, ist nur die äußere Handlung.

Es kann durchaus sein, dass ich schon einmal über Herbert gelesen habe. Vielleicht 2008 in einem Spiegel-Artikel, in dem es um eine „Harakiri-Expedition“ in die Antarktis ging. Ein Thema, das mich grundsätzlich interessiert, befeuert spätestens durch Christoph Ransmayrs  Die Schrecken des Eises und der Finsternis. Und auch zu Herbert gibt es zahlreiche Artikel, zu jenem Herbert also, der im echten Leben Herbert Schröder-Stranz hieß und seit 1912 als verschollen gilt. Jetzt setzt ihm Bernhard Schlink eine Art Denkmal. Im Roman Olga, der mir – ungekürzt und ausdruckstark gelesen von Burkhart Klaußner – sehr gut gefallen hat.

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Verdrängtes und vergessenes Leid

Wer unter dem Deckmantel der Zivilisation, die man in die Nicht-Zivilisation bringen will, handelt, läuft Gefahr, dass das eigene Handeln zum alleinigen Anspruch wird.

Das an Katastrophen nicht gerade arme 20. Jahrhundert lässt Ereignisse und Zusammenhänge  manchmal vergessen. Ein Thema, das mich sehr interessiert, ist die Kolonialherrschaft – und Deutschland hat dabei ein ausgesprochen  unrühmliches Kapitel geschrieben, wie Rebekka Habermas in Skandal in Togo aufzeigt. Der ach so korrekte Kolonialbeamte Geo Schmidt soll eine junge Afrikanerin vergewaltigt haben und hatte auch sonst jede Menge „auf dem Kerbholz“.  Für sein „verdienstvolles Handeln“ schlug er sich später als Konsul von Monrovia vor. Doch Schmidt ist kein Einzelfall, sein  Verhalten gehörte offenbar zum Habitus des Kolonialbeamten.

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Wenn Herrenmenschen einfach Jungs sein wollen

Bei Capus sind die Machtgefüge interessant, und dabei insbesondere das Gebaren der „Herrenmenschen“, die eigentlich einfache Jungs sein sollten und wollten – unausgesprochen unperfekt.

Bücher zur Kolonialgeschichte interessieren mich schon deshalb, da dieses Kapitel noch längst nicht zur Genüge aufgearbeitet ist. Kurzweilig zu lesen und nah an den historisch belegbaren Fakten ist Eine Frage der Zeit von Alex Capus, ein Roman, in dem es um üble Machtspiele in Deutsch-Ostafrika geht. Besonders die teils überdrehte Darstellung der Charaktere hat mir gut gefallen, passend zur Absurdität des Geschehens insgesamt.

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