Gelesen, Gehört, Gesehen

Schlagwort: Liebe (Seite 1 von 2)

Die Welt steht bekanntlich nicht mehr lang

So zauberhaft das Stück daherkommt, so ganz ohne Zauber ist die Wirklichkeit. Mit dem Witz einer Komödie wird das alles erträglicher.

Gerade habe ich wieder ein wunderbares Beispiel dafür entdeckt, wie gut Johann Nestroy in unsere Zeit passt: Das Landestheater Linz hatte Der böse Geist Lumpazivagabundus aufgeführt, irgendeiner hatte es irgendwo ins Netz gestellt – und ich habe Tränen gelacht. Eine schöne Aufführung mit trashig-kitschigen Geistdarstellungen, ein wenig moderner Polizei, schrägem Gesang. Also: Das alles ist Anlass genug, sich die wunderbare Zauberposse mit Gesang in drei Akten nochmal als Reclam-Ausgabe zu Gemüte zu führen. Es lohnt sich.

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Marsch verschluckt Mensch

In Kyas Welt ist alles aus einem Guss, eigentlich dürfte diese Idylle doch niemand stören – aber eigentlich ist nicht das Leben und auch kein Roman.

Eine verkorkste Kindheit kann dir das ganze Leben versauen. Klar – sie ist zuweilen die Erklärung für alles Schlechte, für alles, was da kommt, vor allem, wenn es nicht nach Recht und Gesetz geht. Der Mensch mag einfache Muster – und die werden etwa für das Marschmädchen, das um diese Muster weiß, zum lebensbedrohlichen Verhängnis. Delia Owens hat die Geschichte von Catherine Danielle Clark, genannt Kya, in ihrem Debutroman Der Gesang der Flusskrebse aufgeschrieben. Das Buch spielt vor allem in den fünfziger und sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Und es spielt in der Marsch nahe der fiktiven Stadt Barkley Cove in North Carolina.

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Für immer Herbert – und ich

Olgas Liebe zu einem, der vor sich selbst flüchtet und sein  Heil in unbekannten Welten sucht, ist nur die äußere Handlung.

Es kann durchaus sein, dass ich schon einmal über Herbert gelesen habe. Vielleicht 2008 in einem Spiegel-Artikel, in dem es um eine „Harakiri-Expedition“ in die Antarktis ging. Ein Thema, das mich grundsätzlich interessiert, befeuert spätestens durch Christoph Ransmayrs  Die Schrecken des Eises und der Finsternis. Und auch zu Herbert gibt es zahlreiche Artikel, zu jenem Herbert also, der im echten Leben Herbert Schröder-Stranz hieß und seit 1912 als verschollen gilt. Jetzt setzt ihm Bernhard Schlink eine Art Denkmal. Im Roman Olga, der mir – ungekürzt und ausdruckstark gelesen von Burkhart Klaußner – sehr gut gefallen hat.

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Eine der schönsten Liebesgeschichten, die je aufgeschrieben wurden

Da erzählt einer ohne jedes Abgehoben-Sein über lebenslange Liebe, über Sexualität im Alter, über Zweisamkeiten, die sich verändern, sich anpassen, sich abstoßen, sich verbinden.

Amor hat Florentino Ariza mitten ins Herz getroffen. Und die entfachte Liebe ist nicht flüchtig, sie währt ein ganzes Leben lang. Die Liebe in den Zeiten der Cholera von Gabriel José García Márquez ist eine der schönsten Liebesgeschichten, die es in der Literatur gibt. Und mir gefällt, dass der Roman phantastisch endet.

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Die glücklosen Leben irgendwo in Österreich

Das wirklich Leben kann nur enttäuschen, weshalb Maren beginnt, ihren eigenen Lebensroman zu spinnen.

Interessant wird ein Leben ja erst dann, wenn es die gerade Bahn verlässt und die erwarteten Muster. Oder, wie es Eva Schmidt in Die untalentierte Lügnerin vermittelt, gar nicht erst in diese Muster passen will. Dass es Konflikte gibt (nicht nur mit sich selbst), ist logisch, hier insbesondere mit der Mutter und ihren durchaus überkommenen und verlogenen Wertvorstellungen.

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November 1918: Döblin war doch kein Leseprojekt

„Sie spielten um den stumpfen, schweren Block, der Ebert hieß, und stießen gegen die Helmspitze des Großen Generalstabs.“

Von Leseprojekten spreche ich meist im Zusammenhang mit einem einzigen Buch. Thomas Manns Zauberberg war für mich ein Leseprojekt. Ich habe das eine oder andere Kapitel gelesen, das Buch beiseitegelegt und mich anderen Texten gewidmet. Nicht, weil ich die Geschichte von Hans Castorp langweilig fand, sondern weil ich mich festgebissen hatte, manchmal auch zu sehr, weil ich Abstand brauchte. Genau so ging es mir auch mit Berlin Alexanderplatz von Alfred Döblin, der mich mehrere Jahre beschäftigt hat.  Und ich bin fest davon ausgegangen, dass auch (um bei Döblin zu bleiben)   November 1918 ein solches Kaliber wird.  Da hatte ich mich aber getäuscht.

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Ein Herz für die Verlierer unter den Verlieren

Die wirklich Bösen beschreibt Steinbeck nicht, aber in allen Nuancen und Schattierungen diejenigen, die irgendwie durchkommen, die sich durchboxen.

Manche Romane führen ein ungelesenes Dasein auf dem Bücherregal. Oft über viele Jahre. Zuweilen aber ist die Zeit einfach noch nicht reif. Jetzt war sie reif für Die Straße der Ölsardinen, immerhin das Werk eines Nobelpreisträgers. Ich habe John Steinbecks Text als historischen Roman gelesen, der er in Wirklichkeit natürlich nicht ist.

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Der Weg führt in den Untergang

Der Erzähler selbst wertet nicht, lässt die Leser werten und schafft es, eine unglaubliche Nähe zu den Figuren herzustellen.

Wenn Jaques stirbt, stirbt bald auch die Monarchie. Dabei war Jaques doch nur Personal, mehr noch als alle anderen, ein Anhängsel, mit dem sich der Gutbürger umgibt, ein Anhängsel, dessen Unterkunft tatsächlich nicht ins Herrenhaus integriert ist, sondern dranhängt. Ein Anhängsel, dass immerhin genau so unehrlich war wie die Offiziere und die Möchtegernoffiziere und diejenigen, die hochhalten, dass der Urgroßvater dareinst in der Schlacht von Solferino dem Kaiser das Leben gerettet hatte.

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Nur noch Staub und Wüste

Ich hätte es allerdings noch etwas schöner gefunden, wenn die Übersetzung des Titels weniger marktgerecht eins zu eins „Blau“ gewesen wäre. Trotzdem: ein klasse Buch.

Ich hätte noch ewig weiterhören können. Aber dann – plötzlich nach acht Stunden und zehn Minuten – war Die Geschichte des Wassers vorbei. Den Text von Maja Lunde haben Christiane Blumhoff und Shenja Lacher abwechselnd gelesen. Sehr atmosphärisch, sehr nahegehend, was sowohl am Buch als auch an den Vorlesern liegt.

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Irgendwann funktioniert nur noch die Flucht

Das letzte Mittel besorgt sich Klein schon vor der Abreise: einen Revolver.

Er ist ein Mustermann, angepasst und klein. Und genau so heißt er auch: Klein, Friedrich Klein. Bankbeamter, Familienvater, bürgerlich im besten Sinne. So könnte es weitergehen. Immer. Aber so darf es nicht weitergehen. Wer bin ich eigentlich? Bin ich dieser Mensch, der so angepasst leben will und kann? Verdammt! Ich habe keine Chance, mich in den Zwängen meiner Welt selbst zu finden, ich bin nicht der, der ich für alle anderen bin. Die Folge: Klein bricht aus, fantasiert über die Ermordung seiner Frau und der Kinder, so wie es der Lehrer Ernst August Wagner im echten Leben gemacht hat, nach Richard Wagner wichtigster Namensgeber der Novelle Klein und Wagner von Hermann Hesse.

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