Leben mit Literatur

Schlagwort: Utopie

Die Welt steht bekanntlich nicht mehr lang

So zauberhaft das Stück daherkommt, so ganz ohne Zauber ist die Wirklichkeit. Mit dem Witz einer Komödie wird das alles erträglicher.

Gerade habe ich wieder ein wunderbares Beispiel dafür entdeckt, wie gut Johann Nestroy in unsere Zeit passt: Das Landestheater Linz hatte Der böse Geist Lumpazivagabundus aufgeführt, irgendeiner hatte es irgendwo ins Netz gestellt – und ich habe Tränen gelacht. Eine schöne Aufführung mit trashig-kitschigen Geistdarstellungen, ein wenig moderner Polizei, schrägem Gesang. Also: Das alles ist Anlass genug, sich die wunderbare Zauberposse mit Gesang in drei Akten nochmal als Reclam-Ausgabe zu Gemüte zu führen. Es lohnt sich.

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Das Kleine im Großen – bis zuletzt

Lunde zeigt, wie falsch der Gedanke ist, als Individuum nichts machen zu können.

Ich fand Die Geschichte der Bienen sehr gut und dann auch Die Geschichte des Wassers, wobei mit hier als Titel „Blau“ noch besser gefallen hätte, und dachte schon mit leichter Befürchtung: nun ist es auserzählt. Ich las per Zufall (ich weiß nicht mehr wo) eine Rezension zum dritten Teil des Klimaquartetts und erfuhr von einer Pferdegeschichte. Da ich Pferde zwar interessant und schön finde, mehr aber auch nicht, wollte ich die Lektüre hintenanstellen. Dann aber fand ich über den Hörverlag die Besetzungsliste des Hörbuchs – und lies mir die Lunde vorlesen. Zum Glück.

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Die zwei Klassen der Zukunft

„Ich glaube“, lässt Wells den Zeitreisenden erzählen, „ich habe schon erwähnt, um wieviel heißer das Klima dieses Goldenen Zeitalters war als unseres. Ich weiß nicht warum.“

Auf der Suche nach trashiger Unterhaltung landete ich wieder einmal in der Vergangenheit. Oder in der gedachten Zukunft. Denn diese Zukunft liegt mittlerweile auch schon hinter uns, was in der Verfilmung Die Zeitmaschine von H.G. Wells ziemlich deutlich wird. Auf jeden Fall musste ich nach dem Film von George Pal aus dem Jahr 1960 noch einmal das Buch lesen.

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Robinsonade im All

Ob eine Gesellschaft auf dem roten Planeten funktioniert, bleibt also  die große Frage.

Wahrscheinlich wird Der Marsianer von Andy Weir auch in Zukunft gern gelesen. So wie 1984 von Orwell oder Per Anhalter durch die Galaxis von  Adams. Weirs planetare Robinsonade klingt wissenschaftlich korrekt.

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Nur noch Staub und Wüste

Ich hätte es allerdings noch etwas schöner gefunden, wenn die Übersetzung des Titels weniger marktgerecht eins zu eins „Blau“ gewesen wäre. Trotzdem: ein klasse Buch.

Ich hätte noch ewig weiterhören können. Aber dann – plötzlich nach acht Stunden und zehn Minuten – war Die Geschichte des Wassers vorbei. Den Text von Maja Lunde haben Christiane Blumhoff und Shenja Lacher abwechselnd gelesen. Sehr atmosphärisch, sehr nahegehend, was sowohl am Buch als auch an den Vorlesern liegt.

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E.T.A. Hoffmann und die Zwischenwelten

Hoffmanns Text ist zeitlos. So wie die Frage, in welcher Welt ich leben will. Armer Anselmus.

Ist Anselmus wirklich glücklich auf seinem Rittergut in Atlantis? Ist er glücklich im Zauberreich, in dem er jetzt mit Serpentina lebt? Im Märchen – so viel steht fest – wäre er glücklich, beide wären glücklich bis ans Ende ihrer Tage. Das Kunstmärchen aber lässt als Märchen aus der neuen Zeit mindestens zwei und eher mehr mögliche Szenarien zu. In Der goldne Topf von E.T.A. Hoffmann zerreißt das hexenhafte Apfelweib die reale Welt des etwas tollpatschig und schon originär träumenden, dabei aber keinesfalls unsympathisch wirkenden Anselmus. Er ist ein stolpernd Suchender, ob er es weiß oder nicht.

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Warum der Mensch an sich selbst scheitert

Auch im Mikrounivesum wird geliebt – und es brechen Kriege aus.

Wenn du glaubst, es geht nicht mehr schlimmer, kommt irgendeine neue Reality-Sow. Die Terranauten von T.C. Boyle greift dieses mittlerweile leidige Thema auf. Du kannst Menschen isolieren und das als Show verkaufen: Big Brother hat das auf erbärmliche Weise versucht und versucht das wohl noch immer, beim Dschungelcamp stellen sich durchaus gebildete Menschen die Frage, wer denn wohl als nächstes drin ist. Jetzt stelle man sich vor, die Show bekommt einen scheinbar wissenschaftlichen Hintergrund, nicht psychologisierend, was man machen könnte, dafür aber als Art naturwissenschaftliches Exempel.

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Ein Leben ohne Bienen ist nicht möglich

Das Buch habe ich natürlich als Plädoyer für den Erhalt der Natur gelesen, darüber hinaus als faszinierende Beschreibung menschlicher Schicksale, die genau damit verknüpft sind.

Es gibt dieses eine Zitat, das mich die ganze Lektüre von Die Geschichte der Bienen von Maja Lunde hindurch begleitet hat. Dabei ist gar nicht klar, ob es von Albert Einstein stammt – was in der Konsequenz des Gesagten auch kaum eine Rolle spielt, höchstens die Auffassung verstärken kann, dass der Urheber, der ja das ganze Universum erklärt, einfach recht haben muss: „Wenn die Bienen verschwinden, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben; keine Bienen mehr, keine Pflanzen, keine Tiere, keine Menschen mehr.“

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